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Anreise auf die Azoren in Zeiten von Corona

Einige Wochen bevor unsere Reise starten sollte, wurden die Bestimmungen für die Azoren bezüglich der Einreise geändert. Das auswärtige Amt sagte, dass sich jeder Tourist, der die Inseln betritt, testen lassen muss und bis zum negativen Ergebnis in Selbstisolation begeben muss. Alternativ kann auch ein negativer Test bei Anreise mitgebracht werden, der nicht älter als 72h sein darf. Nach 6 Tagen soll dann ein zweiter Test am Zielort erfolgen.

Soweit die Theorie.

Da wir im Internet keine Erfahrungsberichte gefunden haben und nur die offiziellen Informationen hatten, wussten wir nicht wirklich was auf uns bei der Anreise auf die Azoren zukommt. Eins vorweg: Wir waren überrascht und begeistert davon, wie Portugal mit der Situation umgeht! Alles war durchdacht und super gut organisiert.

Im Vorfeld

Aber von vorne: Bevor wir losgeflogen sind, haben wir überlegt, ob es sinnvoll ist, sich im Vorfeld in Deutschland testen zu lassen. Da wir diesen Test hätten bezahlen müssen (ca. 60 Euro) und der Test in Portugal umsonst war, entschieden wir uns dagegen. Wenn wir nur einen zweiwöchigen Urlaub gebucht hätten, wären wir definitiv diesen Weg gegangen. Da wir aber Zeit hatten, war dieser der bessere Weg.

Nach einem zweitägigen Zwischenstopp in Lissabon (aus flugpreis-technischen-Gründen) flogen wir am 22.08.2020 auf die Hauptinsel der Azoren. Noch im Flugzeug mussten wir einen Fragebogen zu unserem Reiseziel, unseren persönlichen Daten, dem Grund für die Reise und zu ein paar Gesundheitsfragen ausfüllen. In diesem Bogen musste man ankreuzen, ob man einen negativen Test dabei hat oder vor Ort einen machen muss. Damit gehörte man entweder Gruppe 1 und Gruppe 2 an.

Nach der Ankunft

Direkt nach der Ankunft auf Sao Miguel wurden wir von einem Polizeibeamten nach draußen geführt (die kompletten Insassen des Flugzeuges) und aufgefordert uns in Gruppe 1 und 2 aufzuteilen. Für jede Gruppe stand ein Zelt bereit. Nachdem wir an der Reihe waren wurden wir mit einer Nummer ausgestattet und getestet. Die Krankenschwester fragte uns, wo wir auf der Insel unterkommen würden. Daraufhin waren wir leicht irritiert, denn wir wollten eigentlich weiterfliegen auf die Insel Sao Jorge. Unser Flug ging eine Stunde später.

Sie teilte uns allerdings mit, dass wir auf Sao Miguel unsere Quarantäne abwarten müssten und nicht nach Sao Jorge fliegen dürften. Ok, das mussten wir erstmal sacken lassen, denn diese Info hatten wir vorher nirgends bekommen. Wo sollten wir schlafen? Wer bringt uns essen? Wie lange dauert die Quarantäne?

Zumindest auf ein paar dieser Fragen hatte die Krankenschwester eine Antwort: „Draußen stehen Taxen. Die mit dem grünen Aufkleber sind staatliche Taxen, die euch in ein Hotel bringen, wo ihr auf das Ergebnis wartet.“ Ok, einen Schlafplatz hatten wir also zumindest schonmal. Wir suchten uns ein Taxi und wurden von einem Taxifahrer in ein 4-Sterne Hotel gebracht. Mein erster Gedanke war: Hoffentlich müssen wir hier nicht so lange bleiben, das wird bestimmt teuer 😀

Die Quarantäne

Zu unserer Überraschung wollte der Taxifahrer kein Geld von uns, denn die Quarantäne wäre ja staatlich angeordnet. Als ich ihn nach dem Hotel fragte, sagte er uns ebenfalls, dass das Hotel umsonst wäre. Ich konnte das kaum glauben, war froh, dass wir nur das Essen im Hotel bezahlen müssten. Doch Pustekuchen, auch die 3 Mahlzeiten pro Tag waren für Lau! Inklusive Getränken wohlgemerkt.

Was wir hierzu von unserem Taxifahrer Miguel erfuhren: Jeden Tag wechselt das Hotel, sodass jedes Hotel Geld einnimmt, wenn z.B. beim Zimmerservice bestellt wird. Damit sind die Touristen gerecht verteilt. Jeder hat Arbeit und Kosten mit den Gästen, allerdings auch potentielle neue Kunden. Das gleiche ist es mit den Taxifahrern. Jeden Tag werden andere Fahrer zu „offiziellen Taxen“, diese fahren zwar für umsonst, geben aber ihre Karte ab und in den meisten Fällen wird genau der Taxifahrer ein paar Tage später von den Kunden gebucht. Win-Win-Situation für alle.

Das Hotel war sehr schön, wir sahen allerdings erstmal nur unser Zimmer, denn das durften wir nicht verlassen. Das Essen wurde vor die Tür gestellt und durch klopfen wussten wir, dass es da ist. Das Einzige, was uns dabei sehr negativ aufgefallen ist, ist dass alles in Plastik eingepackt war. Nach jeder Mahlzeit hatten wir einen ziemlichen Haufen Müll. Ich denke, dass es schwierig ist, potentiell infektiösen Menschen normales Geschirr zu geben, daher konnte ich den Sinn dahinter verstehen.

Toll fand ich es trotzdem nicht.

Das Essen an sich war sehr lecker und in ausreichender Menge. Es gab jedes mal Nachtisch und Vorspeise und mehrere Getränke. Unser Zimmer hatte einen Balkon und war ansonsten ein normal ausgestattetes Hotelzimmer mit Bad.

Uns wurde gesagt, dass bis zum Ergebnis bis zu 3 Tage vergehen können, daher rechneten wir nicht damit, dass das Ergebnis bereits am nächsten Morgen feststand. Per E-mail wurden wir über das negative Ergebnis informiert und wussten zunächst nicht, was als nächstes zu tun war, denn unseren Flug am Tag vorher mussten wir ja verstreichen lassen. Nach einem Anruf an der Hotelrezeption wussten wir zumindest eins: Wir sind frei! Und dürfen raus.

Wir sind frei! Und jetzt?

Also machten wir uns auf den Weg zum Flughafen um zu sehen, wann wir nach Sao Jorge fliegen konnten. Die nette Dame am Schalter teilte uns mit, dass die Umbuchung unserer Flüge 170 Euro pro Person kosten würde. Nach einem kurzen hin und her, dass wir ja nichts dafür konnten, dass wir nicht fliegen durften und keine andere Wahl gehabt hätten, sagte sie uns, dass wir für 72 Euro pro Person einen neuen Flug für den nächsten Tag buchen könnten. Das wäre wesentlich günstiger als den versäumten Flug umzubuchen. In den sauren Apfel mussten wir also beißen. Ich glaube ich brauche nicht sagen, dass wir nicht sonderlich begeistert darüber waren, aber was blieb uns schon übrig.

Selbst wenn wir mit einem negativen Test aus Deutschland gekommen wären, hätten wir die riesige Schlange im Zelt niemals durchquert gehabt bevor unser Flieger gegangen wäre. Klassischer Fall von Pech gehabt. Wir hätten den Flug absagen müssen, bevor er losgeflogen wäre. Dann hätten wir ihn kostenlos umbuchen können. Hätte hätte Fahrradkette, ärgerlich aber nicht zu ändern. Auf diese schlechte Nachricht folgte im Hotel dann wieder eine Gute. Denn bis zur Weiterreise ist das Hotel weiterhin kostenlos, wir bekommen weiterhin 3x am Tag Essen.

Natürlich haben wir uns darüber gefreut, verstanden haben wir es aber nicht. Das Hotel vielleicht noch, aber auf keinem Fall das Essen. Denn ab dem Moment des negativen Ergebnisses konnten wir ja raus und uns selbst was zu Essen besorgen. Diese Ressourcen haben sie ein wenig an uns verschwendet, wie ich finde. Naja, einem geschenkten Gaul und so 😉

Am Abend fanden wir heraus, dass unser Hotel noch einen schönen Pool zu bieten hat und ließen hier den Abend unserer Quarantäne ausklingen, um am nächsten Morgen die Weiterreise nach Sao Jorge anzutreten.

Der zweite Test

Nach 5 Tagen bekamen wir eine Email wo und wann wir uns für unseren zweiten Test einzufinden haben. Da wir uns nicht mehr am ursprünglich geplanten Ort befanden, bat ich um eine alternative Adresse auf unserer Insel Pico. Sofort wurde ich angerufen und mir erklärt wie ich mich zu verhalten habe. Die Telefonnummer wurde weitergeleitet und bereits ein paar Stunden später hatten wir einen neuen Termin auf unserer Insel.


Grundsätzliches

  • Die Regierung übernimmt die Kosten, um sicherzustellen, dass trotz der Situation Touristen kommen und Geld ins Land bringen. Sie könnten das Land dicht machen, aber dann würde auch niemand Geld herbringen. Damit würde die Einnahmequelle Tourismus versiegen.
  • In allen Flugzeugen musste eine Maske getragen werden und obwohl wir längere Flüge mit Mahlzeit (von Lissabon nach Sao Miguel) gebucht hatten, gab es nichts zu essen.

VIELEN DANK!

Alle Mitarbeiter im Zelt, an den Infoschaltern, im Hotel, Taxifahrer etc. waren super nett und hilfsbereit. Niemand wirkte genervt oder überarbeitet, alle schienen sich über die Touristen zu freuen, die kamen.

Diese Regelungen waren erst ein paar Wochen alt als wir ankamen. Angefühlt hat sich alles so routiniert, als wenn es Covid schon seit 10 Jahren auf den Azoren gäbe. An dieser Stelle ein dickes fettes Chapeau an die Regierung, die Gesundheitsämter, die Strippenzieher und wer auch immer sich das alles ausgedacht hat. Und ein DANKE an alle die, die den Laden am Laufen halten. An alle Krankenschwestern und andere Mitarbeiter, die sich jeden Tag in Ganzkörperanzügen stundenlang in die Zelte setzen. Es läuft reibungslos, jeder weiß was der andere tut und es ist einfach bis ins letzte Detail durchdacht.

Ich kann nicht oft genug versuchen den Haken oder den Fehler in diesem System zu finden, aber es gibt ihn nicht! Wir sind maßlos begeistert und fragen uns tatsächlich, warum nicht mehr Länder das so hinkriegen wie Portugal, oder im besonderen die Azoren. Wenn man hier das Prozedere mitbekommt, scheint es, als wäre es das leichteste der Welt.

Zur Erklärung

Zum aktuellen Zeitpunkt durchläuft man dieses Verfahren, wenn man die Azoren betritt. Dies muss nicht zwangsläufig über die Hauptinsel erfolgen. Wer z.B. von Lissabon direkt nach Sao Jorge fliegt, muss dort in Quarantäne. Wäre das für uns der Fall gewesen, hätten wir kein Hotel bekommen, sondern wir hätten uns in unserer Unterkunft in Selbstisolation begeben müssen.

Da sich die Dinge sehr schnell ändern können, schaut vor eurem Besuch auf den Azoren unbedingt auf der Seite des auswärtigen Amtes vorbei!

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